Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Gehörgangsentzündung wird durch ein Hörgerät allein in der Regel nicht verursacht, Feuchtigkeit, Druckstellen, mangelnde Belüftung oder eine unzureichende Reinigung können das Risiko jedoch erhöhen.
  • Typische Symptome sind Juckreiz, Schmerzen, Rötungen, Schwellungen sowie ein vorübergehend schlechteres Hören oder Probleme mit dem Hörgerät.
  • Bei Beschwerden sollte das Hörgerät vorübergehend nicht getragen und eine ärztliche Untersuchung erfolgen, damit die Ursache gezielt behandelt werden kann.
  • Eine gute Hygiene, ein optimal sitzendes Ohrpassstück und regelmäßige Kontrollen helfen dabei, Gehörgangsentzündungen vorzubeugen und das Hörgerät dauerhaft angenehm zu tragen.

Kann ein Hörgerät eine Gehörgangsentzündung verursachen?

Gehörgangsentzündung durch Hörgerät

Ein Hörgerät verursacht nicht automatisch eine Gehörgangsentzündung. Viele Menschen tragen ihre Hörsysteme über Jahre hinweg täglich, ohne entsprechende Beschwerden zu entwickeln. Unter bestimmten Voraussetzungen kann ein Hörgerät jedoch dazu beitragen, dass die empfindliche Haut im Gehörgang gereizt wird oder sich Keime leichter vermehren.

Besonders betroffen sind Hörsysteme, deren Ohrpassstück, Schirmchen oder Gehäuse einen großen Teil des Gehörgangs verschließt. Wird der Gehörgang weitgehend abgeschlossen, kann die Luft schlechter zirkulieren. Dadurch bleiben Wärme und Feuchtigkeit länger im Ohr, was die Entstehung einer Entzündung begünstigen kann.

Auch eine schlecht sitzende Otoplastik, also das individuell angepasste Ohrpassstück, kann die Haut dauerhaft belasten.

Fachinformationen zur Otitis externa nennen zudem unpassende Hörgeräte sowie verunreinigte Ohrpassstücke oder andere im Ohr getragene Geräte als mögliche begünstigende Faktoren.

In vielen Fällen entsteht eine Gehörgangsentzündung jedoch nicht durch eine einzelne Ursache, sondern durch das Zusammenwirken mehrerer Einflüsse. So kann ein Hörgerät leichte Reibung verursachen, während gleichzeitig Schweiß, häufiges Duschen, eine Hauterkrankung oder eine unsachgemäße Ohrreinigung die natürliche Schutzbarriere der Haut schwächen.

Deshalb ist eine genaue Ursachenklärung besonders wichtig. In den meisten Fällen muss das Hörgerät nicht dauerhaft abgesetzt werden. Stattdessen sollte die eigentliche Ursache erkannt und gezielt behoben werden.

Die häufigsten Ursachen im Zusammenhang mit Hörgeräten

Schirmchen für Hörgeräte

1. Feuchtigkeit und Wärmestau im Gehörgang

Ein Hörgerät kann die Belüftung des Gehörgangs einschränken. Dadurch bleiben Wärme und Feuchtigkeit länger im Ohr, was die Haut aufweichen und das Wachstum von Bakterien oder Pilzen begünstigen kann. Deshalb sollte das Ohr nach dem Duschen, Schwimmen oder Sport möglichst trocken sein, bevor das Hörgerät wieder eingesetzt wird.

2. Schlecht sitzendes Ohrpassstück

Eine Otoplastik sollte sicher sitzen, ohne Druckstellen zu verursachen. Ist sie zu eng oder reibt sie im Gehörgang, kann die Haut gereizt werden. Wiederkehrende Schmerzen, Rötungen oder Entzündungen sind mögliche Hinweise darauf, dass das Ohrpassstück angepasst werden sollte.

3. Unzureichende Reinigung

Ohrpassstücke und Schirmchen kommen täglich mit Ohrenschmalz, Schweiß und Hautschuppen in Kontakt. Werden sie nicht regelmäßig gereinigt, können sich Ablagerungen bilden, die Hautreizungen und Keimwachstum begünstigen. Welche Reinigungsmethode geeignet ist, hängt vom jeweiligen Hörgerät ab.

4. Falsche Ohrreinigung

Wattestäbchen oder andere Gegenstände können die empfindliche Haut verletzen und Ohrenschmalz tiefer in den Gehörgang schieben. Da Ohrenschmalz die Haut schützt, sollte es nicht übermäßig entfernt werden. Eine regelmäßige Kontrolle beim HNO Arzt oder Hörakustiker ist meist die bessere Lösung.

5. Materialunverträglichkeit

In seltenen Fällen reagiert die Haut empfindlich auf Materialien des Ohrpassstücks oder auf Reinigungsmittel. Typische Anzeichen sind Juckreiz, Rötungen oder Schuppungen. Besteht der Verdacht auf eine Allergie, kann eine andere Materialauswahl sinnvoll sein.

6. Fehlende Belüftung

Ein dicht schließendes Ohrpassstück kann medizinisch notwendig sein, reduziert jedoch die Luftzirkulation im Gehörgang. Ob eine Belüftungsbohrung sinnvoll ist, hängt von der Hörversorgung ab und sollte individuell geprüft werden.

7. Hauterkrankungen

Erkrankungen wie Neurodermitis oder Schuppenflechte können auch den Gehörgang betreffen. Das Hörgerät ist dann meist nicht die Ursache, kann bestehende Beschwerden jedoch verstärken.

8. Sehr lange Tragezeiten

Bei gereizter oder entzündeter Haut kann es sinnvoll sein, das Hörgerät vorübergehend etwas seltener zu tragen. Während einer akuten Gehörgangsentzündung sollte die Tragedauer mit dem HNO Arzt und dem Hörakustiker abgestimmt werden.

Typische Symptome einer Gehörgangsentzündung

Eine Gehörgangsentzündung kann sich schleichend oder plötzlich entwickeln. Häufig beginnt sie mit leichtem Juckreiz oder einem ungewohnten Gefühl im Ohr. Im weiteren Verlauf können weitere Beschwerden hinzukommen.

Typische Symptome sind:

  • Juckreiz im Gehörgang
  • Brennen oder Wundgefühl
  • Rötungen und Schwellungen
  • Druckschmerzen
  • Schmerzen beim Einsetzen des Hörgeräts
  • Schmerzen beim Ziehen an der Ohrmuschel oder beim Druck auf den Knorpel vor dem Gehörgang
  • Flüssigkeit oder eitriges Sekret
  • unangenehmer Geruch
  • Schuppen oder Krusten im Gehörgang
  • dumpfes Hören oder vorübergehend schlechteres Sprachverstehen
  • Rückkopplungen sowie verstopfte Filter oder Schallschläuche am Hörgerät

Eine Hörminderung entsteht häufig, weil der Gehörgang durch eine Schwellung oder Sekret verengt wird. Zusätzlich kann das Hörgerät durch verstopfte Filter oder Mikrofonöffnungen nicht mehr einwandfrei funktionieren.

Starke Schmerzen sprechen oft für eine ausgeprägtere Entzündung. Stehen dagegen Juckreiz und Schuppungen im Vordergrund, können auch andere Ursachen wie ein Ekzem, eine Kontaktallergie oder eine Pilzinfektion infrage kommen. Eine sichere Diagnose ist jedoch nur durch eine ärztliche Untersuchung möglich.

Akutmaßnahmen: Was sollten Sie jetzt tun?

Bei einer Gehörgangsentzündung sollten Sie schnell handeln, um die Beschwerden nicht zu verschlimmern.

  • Hörgerät vorübergehend herausnehmen: Tragen Sie das Hörgerät auf der betroffenen Seite möglichst nicht, bis die Haut sich erholt hat. So lassen sich zusätzliche Reizungen vermeiden.
  • HNO Arzt aufsuchen: Eine Gehörgangsentzündung sollte immer ärztlich untersucht werden. Je nach Ursache kommen beispielsweise desinfizierende, entzündungshemmende oder antibiotische Ohrentropfen zum Einsatz.
  • Keine Wattestäbchen verwenden: Wattestäbchen können die entzündete Haut zusätzlich reizen, Ohrenschmalz tiefer in den Gehörgang schieben und die natürliche Schutzfunktion des Ohres beeinträchtigen.
  • Das Ohr trocken halten: Achten Sie beim Duschen oder Haarewaschen darauf, dass kein Wasser oder Seifenschaum in den Gehörgang gelangt. Feuchtigkeit kann die Heilung verzögern.

Wann sollte ein Arzt aufgesucht werden?

Hörschäden durch Lärm am Arbeitsplatz

Ein Hörakustiker kann die Passform des Hörgeräts, die Otoplastik und die Reinigung überprüfen. Die Diagnose und Behandlung einer Gehörgangsentzündung sollte jedoch immer durch einen Arzt erfolgen.

Eine zeitnahe Untersuchung beim Hausarzt oder HNO Arzt ist besonders wichtig, wenn starke oder zunehmende Ohrenschmerzen auftreten, Flüssigkeit, Blut oder Eiter aus dem Ohr austritt, der Gehörgang stark geschwollen ist oder zusätzlich Fieber beziehungsweise ein allgemeines Krankheitsgefühl besteht. Auch eine plötzliche Verschlechterung des Hörens, Schwindel, anhaltende Beschwerden über mehrere Tage oder wiederkehrende Entzündungen sollten ärztlich abgeklärt werden. Gleiches gilt bei Beschwerden nach einer Ohrverletzung, dem Verdacht auf einen Fremdkörper oder unklaren Symptomen nach einer Ohroperation.

Menschen mit Diabetes mellitus, einer ausgeprägten Immunschwäche oder schweren chronischen Erkrankungen sollten bereits bei stärkeren Ohrbeschwerden frühzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. In seltenen Fällen kann sich die Entzündung bei diesen Personengruppen stärker ausbreiten.

Lässt sich das Hörgerät wegen einer Schwellung oder starker Schmerzen plötzlich nicht mehr einsetzen, sollte die Ursache ebenfalls zeitnah ärztlich untersucht werden.

So lässt sich einer Gehörgangsentzündung als Hörgeräteträger vorbeugen

Mit einigen einfachen Maßnahmen lässt sich das Risiko einer Gehörgangsentzündung häufig deutlich reduzieren.

Hörgerät nur in ein trockenes Ohr einsetzen

Nach dem Duschen, Schwimmen oder starkem Schwitzen sollte das Ohr zunächst gut trocknen. Setzen Sie Ihr Hörgerät erst wieder ein, wenn der äußere Gehörgang trocken ist.

Hörsystem regelmäßig reinigen

Reinigen Sie Ihr Hörgerät täglich und wechseln Sie Filter sowie Verschleißteile regelmäßig. Eine professionelle Wartung hilft zusätzlich dabei, Ablagerungen zu entfernen und die Funktion des Hörsystems zu erhalten.

Druckstellen frühzeitig überprüfen lassen

Ein neues Ohrpassstück kann anfangs ungewohnt sein. Schmerzen, anhaltender Druck oder wunde Stellen sollten jedoch nicht ignoriert werden. Eine rechtzeitige Anpassung kann Hautreizungen und Entzündungen vorbeugen.

Auf Wattestäbchen und Kratzen verzichten

Führen Sie keine Wattestäbchen oder andere Gegenstände in den Gehörgang ein. Auch bei Juckreiz sollte nicht gekratzt werden, sondern die Ursache ärztlich oder hörakustisch abgeklärt werden.

Ohrenschmalz kontrollieren lassen

Zu viel, aber auch zu wenig Ohrenschmalz kann Probleme verursachen. Regelmäßige Kontrollen beim HNO Arzt oder Hörakustiker helfen, die natürliche Schutzfunktion des Gehörgangs zu erhalten.

Pflegeprodukte und Feuchtigkeit vermeiden

Haarspray, Cremes oder andere Pflegeprodukte sollten nicht mit dem Hörgerät oder dem Ohrpassstück in Kontakt kommen. Setzen Sie das Hörgerät erst ein, wenn Kosmetikprodukte vollständig getrocknet sind.

Regelmäßige Nachsorge nutzen

Auch wenn Ihr Hörgerät einwandfrei funktioniert, sind regelmäßige Kontrollen sinnvoll. Wir von Hörsysteme Schüren prüfen dabei unter anderem die Passform, den Zustand des Hörsystems und mögliche Druckstellen, damit Sie Ihr Hörgerät dauerhaft komfortabel tragen können.

FAQ

Typische Anzeichen sind Juckreiz, Brennen, Schmerzen, Rötungen und ein Druckgefühl im Gehörgang. Auch Schwellungen, Flüssigkeit, Krusten oder ein unangenehmer Geruch können auftreten. Manche Betroffene hören vorübergehend schlechter oder bemerken häufiger Rückkopplungen ihres Hörgeräts.

Bei einer rechtzeitigen Behandlung klingen die Beschwerden häufig innerhalb weniger Tage ab. Je nach Ursache und Schweregrad kann die Heilung jedoch ein bis zwei Wochen oder länger dauern. Wichtig ist, die verordnete Behandlung konsequent durchzuführen und das Ohr möglichst nicht zusätzlich zu reizen.

Ja, in seltenen Fällen kann eine Kontaktallergie oder Materialunverträglichkeit Hautreizungen verursachen. Häufiger sind jedoch Feuchtigkeit, Druckstellen oder eine unzureichende Reinigung die Ursache. Bei einem Verdacht können andere Materialien oder eine angepasste Otoplastik sinnvoll sein.

Das Hörgerät sollte täglich auf Ohrenschmalz, Feuchtigkeit und Verschmutzungen kontrolliert und nach den Herstellerangaben gereinigt werden. Filter und andere Verschleißteile sollten regelmäßig gewechselt werden. Elektronische Bauteile dürfen in der Regel nicht mit Wasser gereinigt werden.

Nein. Das Hörgerät sollte erst eingesetzt werden, wenn Ohrmuschel und äußerer Gehörgang vollständig trocken sind. So lässt sich vermeiden, dass Feuchtigkeit im Gehörgang eingeschlossen wird und die Haut aufweicht.

Von Hausmitteln wie Ölen, Alkohol oder selbst hergestellten Ohrentropfen ist abzuraten. Ohne ärztliche Untersuchung lässt sich die Ursache der Beschwerden nicht sicher feststellen. Ungeeignete Mittel können die Haut zusätzlich reizen oder das Ohr schädigen.

Nicht unbedingt. Häufig reichen eine Anpassung der Otoplastik, ein anderes Schirmchen oder eine optimierte Belüftung aus. Erst wenn die Beschwerden trotz dieser Maßnahmen bestehen bleiben, kann eine andere Bauform des Hörgeräts sinnvoll sein.