Das Wichtigste in Kürze
- Die Eingewöhnung an neue Hörgeräte ist individuell und kann wenige Tage, mehrere Wochen oder auch länger dauern.
- Ungewohnte Stimmen, deutlichere Alltagsgeräusche und stärker wahrnehmbare Hintergrundgeräusche sind zu Beginn häufig Teil der Gewöhnungsphase.
- Regelmäßiges Tragen und Erfahrungen in unterschiedlichen Hörsituationen helfen dabei, sich Schritt für Schritt an das neue Klangbild zu gewöhnen.
- Bleiben Hörsituationen dauerhaft unangenehm oder treten Schwierigkeiten auf, können eine Kontrolle und gezielte Nachjustierung der Hörgeräte sinnvoll sein.
So gewöhnen Sie sich Schritt für Schritt an Ihre neuen Hörgeräte

Neue Hörgeräte können Ihren Alltag spürbar erleichtern. Gespräche werden wieder verständlicher, leise Geräusche besser wahrnehmbar und viele Hörsituationen weniger anstrengend. Dennoch kann sich das Hören mit den neuen Geräten zunächst ungewohnt anfühlen. Stimmen, Alltagsgeräusche und auch die eigene Stimme können in den ersten Tagen anders oder überraschend präsent klingen.
Das liegt unter anderem daran, dass sich Ihr Gehör über längere Zeit an eine leisere Klangwelt gewöhnt haben kann. Mit den Hörgeräten werden plötzlich Geräusche wieder hörbar, die Ihr Gehirn möglicherweise über Monate oder Jahre kaum noch bewusst wahrgenommen hat. Dazu gehören zum Beispiel raschelndes Papier, Vogelgezwitscher, Schritte, klapperndes Geschirr oder das Ticken einer Uhr.
Die Eingewöhnung ist deshalb ein wichtiger Bestandteil einer erfolgreichen Hörgeräteversorgung. Neben der fachgerechten Einstellung der Hörgeräte kommt es darauf an, neue Höreindrücke nach und nach kennenzulernen und in den Alltag zu integrieren. Regelmäßiges Tragen, etwas Geduld und eine professionelle Nachbetreuung können diesen Prozess unterstützen.
Bei Hörsysteme Schüren begleiten wir Sie auch nach der ersten Anpassung. In diesem Ratgeber erfahren Sie, wie lange die Eingewöhnung an Hörgeräte dauern kann, welche Erfahrungen in den ersten Wochen typisch sind, wie Sie die Gewöhnung unterstützen können und wann eine Nachjustierung sinnvoll ist.
Wie lange dauert die Eingewöhnung an Hörgeräte?
Wie lange die Eingewöhnung an neue Hörgeräte dauert, lässt sich nicht pauschal sagen. Manche Menschen empfinden ihre Geräte bereits nach wenigen Tagen als selbstverständlich, andere benötigen mehrere Wochen oder länger, bis sich das neue Hören vertrauter anfühlt. Gerade beim ersten Hörgerät können die anfänglichen Höreindrücke besonders ungewohnt sein.
Die Dauer der Eingewöhnung hängt von verschiedenen Faktoren ab:
wie lange der Hörverlust bereits besteht
wie stark die Hörminderung ausgeprägt ist
ob Sie bereits früher Hörgeräte getragen haben
wie regelmäßig Sie Ihre Hörgeräte nutzen
in welchen Alltagssituationen Sie die Geräte tragen
wie empfindlich Sie auf neue Höreindrücke reagieren
wie gut die Hörgeräte eingestellt sind
wie gut Ohrstück oder Lautsprecher im Ohr sitzen
welche persönlichen Erwartungen Sie an Ihre Hörgeräte haben
Häufig erstreckt sich die Gewöhnungsphase über mehrere Wochen. Dabei können anspruchsvolle Hörsituationen mehr Zeit benötigen. Gespräche im Restaurant, bei Familienfeiern oder in größeren Gruppen können sich beispielsweise erst nach und nach wieder vertrauter anfühlen.
Fachleute sprechen in diesem Zusammenhang auch von der auditiven Akklimatisation. Damit ist die Gewöhnung an die veränderten Höreindrücke gemeint. Dieser Prozess verläuft von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Nicht bei jedem lassen sich allein durch längeres Tragen objektiv messbare Verbesserungen des Sprachverstehens feststellen. Viele Hörgeräteträger erleben jedoch, dass ihnen das Hören und der Umgang mit den Geräten mit zunehmender Erfahrung leichter fallen.
Orientieren Sie sich deshalb nicht an einer festen Anzahl von Tagen. Entscheidend ist vielmehr, wie sich Ihr persönliches Hörerlebnis im Alltag entwickelt.
Was ist in den ersten Tagen mit Hörgeräten normal?
Gerade in den ersten Stunden und Tagen mit neuen Hörgeräten fragen sich viele Menschen, ob sich das Hören wirklich so anhören soll. Ein ungewohntes Klangbild gehört während der Eingewöhnung häufig dazu. Schließlich nehmen Sie mit den Hörgeräten wieder Klänge und Geräusche wahr, die zuvor möglicherweise weniger präsent waren.
Die eigene Stimme klingt ungewohnt
Die eigene Stimme kann zunächst lauter, voller, dumpfer oder hallender wirken. Manche Hörgeräteträger beschreiben das Gefühl auch als „wie in einem Fass“. Das kann daran liegen, dass Sie Ihre Stimme über die Hörgeräte anders wahrnehmen. Auch die Bauform und die Versorgung des Gehörgangs können beeinflussen, wie deutlich körpereigene Schallanteile zu hören sind.
Häufig fällt die eigene Stimme nach einiger Zeit deutlich weniger auf. Bleibt der Klang jedoch unangenehm oder sehr störend, sollten Einstellung und Sitz der Hörgeräte durch den Hörakustiker überprüft werden.
Alltagsgeräusche erscheinen plötzlich sehr laut
Raschelndes Papier, klapperndes Besteck, die Kaffeemaschine oder die eigenen Schritte können plötzlich überraschend deutlich zu hören sein. Diese Geräusche waren auch vorher vorhanden, wurden aufgrund des Hörverlusts jedoch möglicherweise nicht mehr in derselben Intensität wahrgenommen.
Mit zunehmender Erfahrung kann das Gehirn wieder besser lernen, solche Alltagsgeräusche einzuordnen und ihnen weniger Aufmerksamkeit zu schenken. Dieser Prozess ist ein wichtiger Teil der Eingewöhnung.
Stimmen klingen anders
Auch die Stimmen von vertrauten Menschen können anfangs anders wirken. Insbesondere bestimmte Konsonanten oder höhere Frequenzanteile werden möglicherweise deutlicher wahrgenommen und können zunächst ungewohnt oder etwas scharf klingen.
Das Ziel einer Hörgeräteanpassung besteht nicht darin, den Höreindruck vor der Versorgung exakt wiederherzustellen, denn dieser war bereits durch den Hörverlust beeinflusst. Vielmehr geht es darum, ein möglichst gutes und angenehmes Sprachverstehen mit einem natürlichen Höreindruck zu erreichen.
Hintergrundgeräusche werden wieder stärker wahrgenommen
„Ich höre plötzlich alles“, dieser Eindruck ist bei neuen Hörgeräten nicht ungewöhnlich. Im Café nehmen Sie neben Ihrem Gesprächspartner beispielsweise auch Geschirr, andere Stimmen, Musik und die Kaffeemaschine wahr. Auf der Straße treffen Verkehr, Schritte, Wind und Gespräche aufeinander.
Moderne Hörgeräte verfügen über Technologien, die Störgeräusche reduzieren und das Sprachverstehen unterstützen können. Dennoch können sie die akustische Umgebung nicht vollständig in wichtige und unwichtige Geräusche aufteilen. Auch Menschen mit normalem Gehör hören Hintergrundgeräusche. Ihr Gehirn ist jedoch darin geübt, bestimmte Geräusche weniger stark zu beachten.
Bei einer neuen Hörgeräteversorgung muss diese Fähigkeit häufig erst wieder stärker genutzt werden. Geben Sie sich deshalb Zeit, die verschiedenen Höreindrücke im Alltag neu kennenzulernen.
Zehn Tipps für eine erfolgreiche Hörgeräte-Eingewöhnung
Eine erfolgreiche Eingewöhnung braucht vor allem Zeit und praktische Erfahrung. Mit den folgenden Tipps können Sie sich Schritt für Schritt mit Ihren neuen Hörgeräten vertraut machen und wertvolle Erfahrungen für die weitere Anpassung sammeln.
1. Tragen Sie Ihre Hörgeräte möglichst regelmäßig
Konstanz ist wichtiger als Perfektion. Je häufiger Sie das neue Klangbild erleben, desto vertrauter kann es für Sie werden. Ist das Tragen anfangs sehr anstrengend, sprechen Sie mit Ihrem Hörakustiker darüber, ob ein schrittweiser Aufbau der Tragezeit für Sie sinnvoll ist.
2. Beginnen Sie mit einfachen Hörsituationen
Starten Sie möglichst in einer ruhigen Umgebung, beispielsweise im eigenen Wohnzimmer. Wenn Sie sich dort mit dem Klang Ihrer Hörgeräte vertraut gemacht haben, können Sie nach und nach anspruchsvollere Situationen ausprobieren. Eine große Familienfeier muss also nicht gleich der erste Test sein.
3. Beobachten Sie konkrete Situationen
Für die Feinabstimmung Ihrer Hörgeräte sind konkrete Erfahrungen besonders hilfreich. Statt allgemein festzustellen, dass ein Hörgerät nicht gut klingt, können Sie beispielsweise notieren, dass Geschirrklappern zu scharf klingt, Sie Ihren Beifahrer im Auto schlecht verstehen oder Ihre eigene Stimme sehr dumpf wahrnehmen.
Auch Schwierigkeiten bei Gesprächen mit mehreren Personen sind eine wichtige Information. Je genauer Sie die Situation beschreiben können, desto gezielter kann Ihr Hörakustiker die Einstellung überprüfen.
4. Führen Sie bei Bedarf ein kleines Hörtagebuch
Ein Hörtagebuch kann Ihnen helfen, positive Erfahrungen und Schwierigkeiten über mehrere Tage festzuhalten. Notieren Sie dazu einfach die jeweilige Hörsituation und Ihren persönlichen Eindruck.
Beim Frühstück ist Ihr Partner beispielsweise deutlich besser verständlich, im Supermarkt sind die Durchsagen gut zu hören, der Einkaufswagen erscheint aber sehr laut. Im Restaurant verstehen Sie Ihr Gegenüber gut, während eine seitlich sitzende Person schwieriger zu verstehen ist. Solche Beobachtungen können bei einem Folgetermin eine wertvolle Grundlage für die weitere Anpassung sein.
5. Verändern Sie nicht ständig selbst die Lautstärke
Viele Hörgeräte passen ihre Verstärkung automatisch an unterschiedliche Hörsituationen an. Besitzt Ihr Modell eine Lautstärkeregelung, können Sie diese selbstverständlich nutzen.
Wenn Sie jedoch bei jedem ungewohnten Geräusch sofort die Lautstärke reduzieren, kann dies die Gewöhnung an bestimmte Alltagsgeräusche erschweren. Müssen Sie Ihre Hörgeräte regelmäßig deutlich leiser stellen, sollten Sie diese Erfahrung beim nächsten Termin ansprechen.
6. Sprechen Sie mit Familie und Freunden
Auch Ihr persönliches Umfeld kann Sie bei der Eingewöhnung unterstützen. Bitten Sie Ihre Gesprächspartner, deutlich und in einem normalen Tempo zu sprechen. Besonders lautes oder übertrieben langsames Sprechen ist in der Regel nicht notwendig.
Achten Sie außerdem auf Blickkontakt. Mundbewegungen und Gesichtsausdruck liefern zusätzliche Informationen und können Ihnen dabei helfen, einem Gespräch besser zu folgen.
7. Nutzen Sie beide Hörgeräte, wenn Sie beidseitig versorgt wurden
Wenn bei beiden Ohren eine relevante Hörminderung besteht und Sie entsprechend beidseitig versorgt wurden, sollten Sie Ihre Hörgeräte so tragen, wie es bei der Anpassung vorgesehen wurde.
Beide Ohren arbeiten beim räumlichen Hören und beim Einordnen von Schallquellen zusammen. Auch in geräuschvollen Situationen kann eine beidseitige Versorgung wichtige Vorteile bieten.
8. Lernen Sie die Bedienung in Ruhe
Je nach Modell bieten moderne Hörgeräte verschiedene Funktionen. Dazu können automatische und manuelle Hörprogramme, Lautstärkeregelung, Bluetooth, Smartphone Apps, TV Zubehör, Freisprechfunktionen oder wiederaufladbare Akkus gehören.
Sie müssen nicht alle Funktionen am ersten Tag beherrschen. Lassen Sie sich zunächst die wichtigsten Bedienmöglichkeiten von Ihrem Hörakustiker erklären und fragen Sie nach, wenn etwas unklar bleibt.
9. Achten Sie auf den richtigen Sitz
Ihre Hörgeräte sollten sicher und bequem sitzen. Gerade bei neuen Otoplastiken oder Im Ohr Geräten kann zunächst ein leichtes Fremdkörpergefühl auftreten.
Schmerzen, deutliche Druckstellen oder wunde Haut sollten Sie dagegen nicht einfach hinnehmen. Häufig kann bereits eine kleine Änderung den Sitz spürbar verbessern. Sprechen Sie Ihren Hörakustiker deshalb an, wenn Sie Beschwerden feststellen.
10. Nutzen Sie die Nachsorgetermine
Die erste Einstellung Ihrer Hörgeräte bildet eine wichtige Grundlage, muss aber nicht die endgültige Einstellung sein. Erst beim regelmäßigen Tragen im Alltag zeigt sich, wie gut Sie in verschiedenen Situationen zurechtkommen.
Nachkontrollen und mögliche Nachjustierungen gehören deshalb zu einer guten Hörgeräteversorgung. Bringen Sie Ihre konkreten Erfahrungen zu diesen Terminen mit. So kann die Einstellung anhand Ihrer persönlichen Hörsituationen weiter abgestimmt werden.
Hörgeräte-Eingewöhnung braucht Geduld – aber Sie sind damit nicht allein
Der Schritt zu neuen Hörgeräten kann eine größere Veränderung sein, als zunächst erwartet. Schließlich geht es nicht nur darum, ein technisches Gerät am Ohr zu tragen. Sie entdecken auch viele Bereiche Ihrer akustischen Umgebung neu.
Geräusche, die Sie lange kaum wahrgenommen haben, sind plötzlich wieder präsent. Die eigene Stimme klingt möglicherweise anders, Gespräche verändern sich und bislang ruhige Situationen wirken auf einmal lebendiger. Diese neuen Eindrücke können interessant, manchmal aber auch anstrengend sein.
Geben Sie Ihrem Gehör und Ihrem Gehirn deshalb ausreichend Zeit für die Eingewöhnung. Tragen Sie Ihre Hörgeräte regelmäßig und sammeln Sie Erfahrungen in unterschiedlichen Alltagssituationen. Wenn Sie Schwierigkeiten feststellen, kann es hilfreich sein, konkrete Situationen zu notieren und beim nächsten Termin anzusprechen.
Bei Hörsysteme Schüren endet eine Hörgeräteversorgung nicht mit der Übergabe der Geräte. Wir begleiten Sie auch während der Eingewöhnungsphase. Regelmäßige Kontrollen und gezielte Nachjustierungen helfen dabei, die Hörgeräte an Ihre Erfahrungen im Alltag anzupassen und Sie auf dem Weg zu einem möglichst angenehmen Hören zu unterstützen.
FAQ
Eine regelmäßige Nutzung ist grundsätzlich sinnvoll, damit Sie sich im Alltag an das neue Klangbild gewöhnen können. Wie schnell Sie die tägliche Tragezeit steigern sollten, ist jedoch individuell unterschiedlich.
Können Sie Ihre neuen Hörgeräte anfangs nur für kurze Zeit angenehm tragen, sprechen Sie mit Ihrem Hörakustiker über eine passende Vorgehensweise. So kann die Eingewöhnung auf Ihre persönlichen Erfahrungen abgestimmt werden.
Ja, ein insgesamt intensiveres Klangbild kann zu Beginn der Eingewöhnung vorkommen. Viele Geräusche werden durch die Hörgeräte wieder deutlicher wahrgenommen und können deshalb zunächst ungewöhnlich laut erscheinen.
Schmerzhafte, extrem unangenehme oder dauerhaft viel zu laute Geräusche sollten Sie jedoch nicht einfach hinnehmen. In diesem Fall empfiehlt es sich, die Einstellung Ihrer Hörgeräte überprüfen zu lassen.
Viele Nebengeräusche wurden aufgrund des Hörverlusts zuvor weniger deutlich wahrgenommen. Hörgeräte machen diese akustischen Informationen wieder besser zugänglich. Dadurch können beispielsweise Geschirr, Schritte oder andere Hintergrundgeräusche zunächst stärker auffallen.
Mit zunehmender Erfahrung können viele dieser Alltagsgeräusche wieder weniger Aufmerksamkeit beanspruchen.
Vereinbaren Sie einen Termin bei Ihrem Hörakustiker und beschreiben Sie möglichst konkret, in welchen Situationen Schwierigkeiten auftreten. Gezielte Veränderungen an der Einstellung können häufig bereits viel bewirken. Auch der Sitz, Hörprogramme, Zubehör oder die grundsätzliche Wahl des Hörsystems können überprüft werden.
Wenn Sie mit Ihren Hörgeräten noch nicht zufrieden sind, sollten Sie diese deshalb nicht einfach dauerhaft zur Seite legen. Nutzen Sie die fachliche Unterstützung und bringen Sie Ihre Erfahrungen aus dem Alltag in die weitere Anpassung ein.
Andrea Walla
(Fillialleitung)
Vereinbaren Sie heute noch einen unverbindlichen Beratungstermin bei Hörsysteme Schüren.
Ihr Spezialist für Hörgeräte in Dortmund.