Das Wichtigste in Kürze

  • Diplakusis ist eine Hörstörung, bei der derselbe Ton auf beiden Ohren unterschiedlich wahrgenommen wird oder sich der Klang verändert.
  • Die Ursachen reichen von harmlosen Auslösern wie Ohrenschmalz oder einer Erkältung bis hin zu einem Hörsturz oder einer Innenohrschwerhörigkeit.
  • Tritt eine Diplakusis plötzlich auf, insbesondere zusammen mit einer Hörminderung, Tinnitus oder Schwindel, sollte sie zeitnah HNO ärztlich abgeklärt werden.
  • Die Behandlung richtet sich immer nach der Ursache. Bei einer dauerhaften Hörminderung können individuell angepasste Hörsysteme das Hören und Sprachverstehen unterstützen.

Was bedeutet Diplakusis?

Diplakusis

Diplakusis bezeichnet eine Wahrnehmungsstörung des Hörens, bei der ein Schall nicht so einheitlich wahrgenommen wird, wie er tatsächlich erzeugt wurde. Ein typisches Beispiel ist ein einzelner Ton, der auf beiden Ohren unterschiedlich klingt. So kann ein Klavierton auf einem Ohr korrekt wahrgenommen werden, während er auf dem anderen Ohr etwas höher oder tiefer erscheint.

Häufig tritt Diplakusis zusammen mit einer unterschiedlich stark ausgeprägten Hörminderung auf beiden Ohren auf. In diesem Fall verarbeitet das Hörsystem denselben Ton je nach Ohr verschieden, wodurch sich die wahrgenommene Tonhöhe verändert.

Der Begriff „doppelt hören“ kann allerdings leicht missverstanden werden. Bei einer Diplakusis hören Betroffene in der Regel nicht zwei getrennte Töne. Stattdessen verändert sich häufig der Klangeindruck. Stimmen können metallisch, hohl oder künstlich wirken. Musik klingt mitunter verstimmt oder unharmonisch. Manche Betroffene beschreiben den Höreindruck auch als Roboterstimme, Flattern, leichten Halleffekt oder Choruseffekt.

Wie klingt eine Diplakusis für Betroffene?

Eine Diplakusis kann sich sehr unterschiedlich bemerkbar machen. Viele Betroffene haben Schwierigkeiten, ihre Höreindrücke zu beschreiben, da sie den veränderten Klang nicht direkt mit der Wahrnehmung anderer Menschen vergleichen können.

Häufig werden unter anderem folgende Eindrücke geschildert:

  • Eine Stimme klingt gleichzeitig normal und metallisch.
  • Das Klavier wirkt plötzlich verstimmt.
  • Auf einem Ohr erscheinen Töne etwas höher oder tiefer.
  • Neben dem eigentlichen Ton scheint ein weiterer Ton hörbar zu sein.
  • Es klingt, als würden zwei Personen gleichzeitig sprechen.
  • Musik wirkt schief oder unharmonisch.
  • Elektronische Signaltöne klingen verzerrt.
  • Geräusche haben einen leichten Echoeffekt.
  • Bestimmte Frequenzen scheinen zu vibrieren oder zu flattern.
  • Stimmen erinnern an einen Roboterfilter oder wirken künstlich.

Besonders deutlich fällt eine Diplakusis häufig bei reinen oder lang anhaltenden Tönen auf. Dazu gehören beispielsweise Klavier oder Gitarrentöne, Pfeiftöne, Türglocken sowie elektronische Signal oder Warntöne. Hier können schon kleine Unterschiede in der Tonhöhe auffallen.

Bei Sprache zeigt sich die veränderte Hörwahrnehmung oft anders. Statt einer deutlich verschobenen Tonhöhe wirken Stimmen eher ungewohnt, hohl oder verfärbt. Manche Betroffene verstehen Gespräche in ruhiger Umgebung noch gut. Treffen jedoch mehrere Stimmen, Hall oder Hintergrundgeräusche zusammen, kann das Verstehen deutlich schwieriger werden.

Welche Formen der Diplakusis gibt es?

Altersschwerhörigkeit Symptome

Diplakusis kann sich unterschiedlich äußern. Je nach Art der veränderten Hörwahrnehmung werden verschiedene Formen unterschieden. Diese Einteilung dient vor allem dazu, die Beschwerden genauer zu beschreiben und die weitere Untersuchung zu unterstützen.

Binaurale Diplakusis

Bei der binauralen Diplakusis wird derselbe Ton auf dem linken und rechten Ohr unterschiedlich wahrgenommen. Häufig betrifft dies die Tonhöhe. Deckt man abwechselnd ein Ohr ab, kann derselbe Ton auf einem Ohr höher oder tiefer klingen als auf dem anderen.

Diese Form der Diplakusis tritt häufig auf, wenn die Hörleistung beider Ohren unterschiedlich ist. Das kann beispielsweise nach einem einseitigen Hörsturz, bei einem asymmetrischen Innenohrhörverlust oder anderen einseitigen Veränderungen des Ohrs vorkommen.

Monaurale Diplakusis

Bei der monauralen Diplakusis entsteht die veränderte Wahrnehmung bereits auf einem einzelnen Ohr. Auch wenn das andere Ohr verschlossen ist, kann ein Ton mehrfach oder uneinheitlich wahrgenommen werden. Betroffene beschreiben den Höreindruck unter anderem als Summen, Flirren oder als zusätzlichen, schwächeren Ton.

Diese Form ist seltener und lässt sich nicht immer eindeutig von Tinnitus oder anderen Hörveränderungen unterscheiden. Deshalb ist es wichtig, möglichst genau zu beschreiben, wann und auf welchem Ohr die Beschwerden auftreten.

Diplakusis dysharmonica

Bei der Diplakusis dysharmonica wird derselbe Schall auf beiden Ohren mit unterschiedlicher Tonhöhe wahrgenommen. Besonders auffällig ist dies häufig für Menschen, die musizieren oder regelmäßig Musik hören.

Ein einzelner Ton kann auf einem Ohr höher oder tiefer erscheinen als auf dem anderen. Dadurch entsteht beim gleichzeitigen Hören eine störende Dissonanz. Das kann das Musizieren, Singen oder Stimmen eines Instruments deutlich erschweren.

Zeitlich versetztes Doppelhören

Nicht immer verändert sich die Tonhöhe. Manche Betroffene haben den Eindruck, dass ein Geräusch auf einem Ohr etwas später ankommt. Dadurch entsteht ein Höreindruck, der an ein leichtes Echo oder einen Nachhall erinnert. Diese Form wird teilweise auch als Diplakusis echoica bezeichnet.

Ein zeitlich versetzter Höreindruck kann verschiedene Ursachen haben. Unter anderem kommen unterschiedliche Hörschwellen, Veränderungen der Schallleitung oder eine veränderte Verarbeitung der Hörsignale infrage. Allein anhand der subjektiven Wahrnehmung lässt sich die Ursache jedoch nicht sicher bestimmen.

Deshalb ist eine sorgfältige Untersuchung wichtig, um die Beschwerden richtig einzuordnen.

Warum verändert sich die Tonhöhe?

Um zu verstehen, warum eine Diplakusis entsteht, hilft ein Blick auf den natürlichen Hörvorgang.

Schallwellen gelangen über den Gehörgang zum Trommelfell und werden anschließend durch die Gehörknöchelchen im Mittelohr weitergeleitet. Im Innenohr erreichen sie die mit Flüssigkeit gefüllte Hörschnecke, auch Cochlea genannt. Dort werden hohe und tiefe Töne in unterschiedlichen Bereichen verarbeitet.

In der Cochlea wandeln Sinneszellen die Schwingungen des Schalls in elektrische Nervensignale um. Diese werden über den Hörnerv an das Gehirn weitergeleitet. Normalerweise fügt das Gehirn die Informationen beider Ohren zu einem einheitlichen und stabilen Höreindruck zusammen.

Sind die Hörstrukturen eines Ohres verändert, kann derselbe Ton dort anders verarbeitet werden als auf dem anderen Ohr. Das Gehirn erhält dadurch zwei nicht vollständig übereinstimmende Signale. Eine mögliche Folge ist, dass die Tonhöhe auf beiden Ohren unterschiedlich wahrgenommen wird, ein typisches Merkmal einer Diplakusis.

Wie stark diese Abweichung ausfällt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Neben dem Ausmaß eines Hörverlustes spielen auch die betroffene Frequenz, die Lautstärke des Schalls, die Dauer der Hörveränderung sowie die individuelle Verarbeitung der Hörsignale im Gehirn eine Rolle. Deshalb kann sich eine Diplakusis bei jedem Menschen unterschiedlich bemerkbar machen.

Welche Ursachen kann Diplakusis haben?

Eine Diplakusis kann verschiedene Ursachen haben. Zu den häufigsten gehören:

  • Ohrenschmalzpfropf, verändert die Schallübertragung und kann den Höreindruck beeinflussen.
  • Mittelohrentzündung oder Flüssigkeit hinter dem Trommelfell, führen häufig zu einem dumpfen oder verzerrten Hören.
  • Erkältung oder Tubenbelüftungsstörung, können vorübergehend Druckgefühl, Hörminderung und Klangveränderungen verursachen.
  • Hörsturz, tritt meist plötzlich auf und sollte insbesondere bei einer einseitigen Hörminderung zeitnah ärztlich abgeklärt werden.
  • Lärmbedingte Innenohrschädigung, kann nach starker oder langjähriger Lärmbelastung zu veränderten Höreindrücken führen.
  • Altersbedingte oder lärmbedingte Schwerhörigkeit, kann die Tonhöhenwahrnehmung zwischen beiden Ohren verändern.
  • Morbus Menière, geht häufig mit Schwindel, Tinnitus, Hörschwankungen und einer veränderten Klangwahrnehmung einher.
  • Medikamente mit möglicher ototoxischer Wirkung, können das Hörsystem beeinflussen.
  • Verletzungen und Druckschäden, beispielsweise nach einem Knalltrauma, Tauchen oder Fliegen.
  • Seltenere Erkrankungen des Hörnervs oder neurologische Veränderungen.

Da hinter einer Diplakusis sowohl harmlose als auch behandlungsbedürftige Ursachen stecken können, ist eine fachgerechte Untersuchung wichtig, insbesondere wenn die Beschwerden plötzlich auftreten oder mit einer Hörminderung verbunden sind.

Wann sollte man ärztliche Hilfe suchen?

Hörschäden durch Lärm am Arbeitsplatz

Eine neu aufgetretene oder anhaltende Diplakusis sollte grundsätzlich ärztlich untersucht werden. Besonders wichtig ist eine zeitnahe HNO ärztliche Abklärung, wenn zusätzlich weitere Beschwerden auftreten.

Suchen Sie möglichst zeitnah eine HNO Praxis auf, wenn:

  • die Diplakusis plötzlich auftritt,
  • sich das Hörvermögen auf einem Ohr verschlechtert,
  • ein neues Ohrgeräusch hinzukommt,
  • ein starkes Druck oder Wattegefühl im Ohr besteht,
  • Schwindel oder Gleichgewichtsstörungen auftreten,
  • die Beschwerden nach einem Knall, Unfall oder einer Verletzung begonnen haben,
  • Flüssigkeit oder Blut aus dem Ohr austritt,
  • neurologische Auffälligkeiten wie Lähmungen, Sprachstörungen oder Gangunsicherheit auftreten,
  • die Beschwerden innerhalb kurzer Zeit stärker werden.

Eine plötzlich auftretende einseitige Hörminderung gilt als medizinischer Eilfall und sollte umgehend HNO ärztlich abgeklärt werden. Treten zusätzlich Anzeichen eines Schlaganfalls auf, beispielsweise eine einseitige Schwäche, ein hängender Mundwinkel, Sprach oder Sehstörungen oder starker Schwindel, sollten Sie sofort den Rettungsdienst verständigen.

Wie wird Diplakusis behandelt?

Die Behandlung einer Diplakusis richtet sich immer nach der zugrunde liegenden Ursache. Deshalb ist zunächst eine sorgfältige Untersuchung wichtig, um die Auslöser der veränderten Hörwahrnehmung zu erkennen.

Liegt eine Schallleitungsstörung vor, beispielsweise durch einen Ohrenschmalzpfropf, eine Mittelohrentzündung oder einen Paukenerguss, wird zunächst diese Ursache behandelt. Verbessert sich die Schallübertragung, kann sich auch die Diplakusis vollständig zurückbilden.

Besteht der Verdacht auf einen Hörsturz, entscheidet die HNO Ärztin oder der HNO Arzt über die geeignete Therapie. Welche Behandlung sinnvoll ist, hängt unter anderem vom Ausmaß der Hörminderung, dem Zeitpunkt des Auftretens und den individuellen Voraussetzungen ab. Medikamente sollten dabei niemals ohne ärztliche Rücksprache eingenommen werden.

Bleibt eine Schwerhörigkeit dauerhaft bestehen, kann eine Versorgung mit Hörsystemen sinnvoll sein. Hörgeräte können die natürliche Tonhöhenverarbeitung zwar nicht wiederherstellen, sie helfen jedoch dabei, Sprache und Umgebungsgeräusche besser hörbar zu machen und Unterschiede zwischen beiden Ohren auszugleichen. Dadurch kann sich auch die Wahrnehmung bei einer Diplakusis verbessern.

Für eine erfolgreiche Anpassung ist nicht nur das Hörtestergebnis entscheidend. Ebenso wichtig sind die persönlichen Höreindrücke. Deshalb berücksichtigen wir bei Hörsysteme Schüren genau, in welchen Situationen die Diplakusis auftritt und wie sich Sprache, Musik oder andere Geräusche für Sie anhören.

Auf dieser Grundlage passen wir Ihre Hörsysteme Schritt für Schritt an, um ein möglichst natürliches Hörerlebnis zu erreichen.

FAQ

Ja, eine Diplakusis kann vorübergehend sein und sich vollständig zurückbilden. Das ist beispielsweise möglich, wenn die Ursache ein Ohrenschmalzpfropf, eine Mittelohrentzündung oder eine andere vorübergehende Veränderung des Hörsystems ist. Auch nach einer akuten Innenohrveränderung kann sich die Tonhöhenwahrnehmung wieder verbessern.

Tritt eine Diplakusis jedoch plötzlich auf oder geht sie mit einer Hörminderung einher, sollte sie zeitnah ärztlich abgeklärt werden. Je früher die Ursache erkannt wird, desto gezielter kann sie behandelt werden.

Stress kann dazu beitragen, dass Hörveränderungen stärker wahrgenommen werden. Auch Schlafmangel, Erschöpfung oder psychische Belastungen können den Leidensdruck erhöhen.

Eine Diplakusis gilt jedoch nicht grundsätzlich als stressbedingt. Treten die Beschwerden neu auf, sollte zunächst eine medizinische und audiologische Untersuchung erfolgen, um körperliche Ursachen auszuschließen oder zu behandeln.

Nein. Bei einer Hyperakusis werden normale Alltagsgeräusche als ungewöhnlich laut oder sogar schmerzhaft empfunden. Eine Diplakusis betrifft dagegen die Wahrnehmung von Tonhöhe, Klang oder dem zeitlichen Verlauf von Geräuschen.

Beide Hörstörungen können gleichzeitig auftreten, müssen jedoch nicht miteinander verbunden sein.

Die medizinische Abklärung einer Diplakusis erfolgt in einer HNO Praxis. Treten die Beschwerden plötzlich auf oder gehen sie mit einer Hörminderung einher, sollte möglichst zeitnah ein Termin vereinbart werden. Bei einer dauerhaften Schwerhörigkeit unterstützt anschließend auch ein Hörakustiker bei der Hörsystemversorgung und der optimalen Anpassung der Hörgeräte.

Nein. Zwar tritt eine Diplakusis häufig zusammen mit einer Hörminderung auf, sie kann jedoch auch auftreten, ohne dass sich zunächst eine deutliche Schwerhörigkeit messen lässt. In solchen Fällen können weitere Hörtests und Verlaufskontrollen sinnvoll sein.

Grundsätzlich ja. Musik in normaler Lautstärke ist in der Regel unproblematisch. Sehr hohe Lautstärken sollten jedoch vermieden werden, um das Gehör nicht zusätzlich zu belasten. Verschlechtern sich die Beschwerden beim Musikhören oder treten Schmerzen, Druckgefühl oder Schwindel auf, sollte dies ärztlich abgeklärt werden.